Über Ouds

Der Oud

Der Oud Sharqi (Orientlische Kurzhalslaute) ist in verschieden Regionen der Welt eines der bekanntesten Instrumente.
Wir bauen auch andere Oud-Arten, die in Vergessenheit geraten sind.

Hier eine kurze Erläuterung über die wichtigsten Merkmale und Begriffe, anhand derer beide unterschieden werden: Maghreb/Nordafrika kannte bis in die 30-er Jahre hinein nur den Andalusischen Oud (Oud-Arbi/Tunsi/ Raml und die Kuitra).

Die Unterschiede zwischen den Proportionen des Oud:
Auf der Verbindung zwischen Korpus und Hals sollte für den Oud-Arbi und die Kuitra die Sexte (5/3) liegen, während bei dem Oud Sharqi dort eine Quinte ist (3/2).

Die verschiedenen Stimmungen in arabischen und anderen Ländern:

Der Sharqi-Oud hat meistens elf oder zwölf Wirbel, inzwischen gibt es auch Ouds mit 13 Wirbeln.


Links: Klassische Saitenreihenfolge für 11 Saiten. Rechts: Saitenreihenfolge für 13 Saiten.


6-Qarar dukah: (re2), 5-Qarar-Busalik (mi2) oder Yakah (G2),
4-Ushayran (LS2), 3-Dukah (re3), 2-Nawa (G3) und 1-Kardan (C4),
0-Jawab Jaharka: (fa5).


Hier sind beide Stimmungen für Oud mit 11 Wirbeln oder 12 Wirbeln auf einem Oud

In der Maghreb-Region hat der Andalusische Oud 4 Chöre:
Dhil/Raghul, Hsin, Maya, Ramal. Die Reihenfolge der Saiten folgt nicht der aufsteigenden Reihenfolge der Noten: folgende Intervalle sind steigende Sexten (IV: Sol - III: mi), eine absteigende Quinte und schliesslich eine aufsteigende Quarte: (II: la - I: re) starten einen Ton höher.
Die marokkanischen Musiker verwenden noch drei andere Stimmungen:
- Einen Ton höher (Sayid Noqta): la, Fis, si(h), mi(e)
- Drei Töne höher (Muthallith): do(c), la(a),ré(d), sol(g)
- Einen Ton höher als die Muthallith : ré(d), si(h), mi(e), la(a)

Klassische Ouds Sharqi und die Andalousischen Ouds haben einen festen, geklebten Steg. Nur das Modell „Iraki“ bildet hiervon eine Ausnahme: Es hat einen beweglichen Steg. Der Name stammt von dessen Erfinder, dem irakischen Oud-Bauer Mohamed Fadel.

Rosetten
Der Oud Sharqi (Orientalische Laute) hat meistens ein großes und zwei kleine kreisförmige oder ovale Schalllöcher. Manchmal auch nur ein großes. Der Oud-Arbi hat ein großes und zwei mittelgroße, kreisförmige Schalllöcher.

Die Kuitra Rosette ist eine Besonderheit, die fast immer eine Blumenvase oder auch den Baum des Lebens darstellt.

Die Mensuren bestimmen die Intervalle und die Mikrointervalle. Die Korpusgröße und die gesamte Länge des Instruments beeinflussen die Klangfarbe. Je kleiner die Mensur (also der Korpus), desto weniger Mikrointervalle (hellere Klangfarbe), je größer die Mensur, desto mehr Mikrointervalle (dunklere Klangfarbe).

Die jeweiligen Korpusgrößen unterscheiden sich hierbei nur um einige Zentimeter. Dennoch sollte man bei der Auswahl seines Instruments die eigene Körpergröße und Armlänge beachten. Die üblichen Mensuren für Oud Sharqis:
-Mensur 58,5cm / gebräuchlich in der Türkei und für die Oud Iraki.
-Mensur 60cm / gebräuchlich z.B. in Syrien und im Libanon.


-Mensur 61,5cm / gebräuchlich in Ägypten


Arabisch-andalusische Musik

Arabisch-andalusische Musik (الطرب الأندلسي) (auch genannt al - Ala al-Andaloussi in Marokko, al Moussiqa al Andaloussia, Gharnâti, Sana, Chaabi oder Malouf in Algerien, Malouf in Tunesien und Libyen) ist ein musikalisches Genre der klassischen Musik in Maghreb.
Die Musik unterscheidet sich von der klassischen arabischen Musik im Nahen Osten (oder Maschrik) und Ägypten.

Im achten Jahrhundert schuf Abou El Hassan Ali Ben Nafiq, auch bekannt unter dem Namen Ziryab, die Grundlagen für die Noubat. Diese bestehen aus poetischen Formen wie dem Muwassah oder dem Zagal. Die Noubat bilden die Grundlagen der "Cantigas de Santa Maria von Alfonso X" des Königs von Kastilien, des Flamenco und des Troubadours. Diese Musik hat auch einen Einfluss auf die zeitgenössische westliche Musik. Vor allem auf die Werke von Camille Saint-Saëns durch dessen Kontakte mit algerischen Musikern, wie Mohamed Sfindja.

Die Arabisch-andalusische Musik entwickelte sich in Spanien und setzte sich dort mit der Bildung von drei großen Schulen durch, die sich in Maghreb etablierten:
Grenada(Tlemcen und Oran, Algerien Nedromaen / Rabat und Salé, Oujda, Tanger, Tetouan, Marokko-Safi)
Cordoba und Valencia (Algier, Bejaia, Cherchell, Blida und Kolea in Algerien / Fes und Meknes in Marokko) Hier ist die Kuitra das Hauptzupfinstrument.
Sevilla (Constantine und Annaba, Algerien / Tripolis Kairouan und Testour in Tunesien) Hier wird der Oud Arbi als Hauptzupfinstrument benutzt.

Algerische Schule
Es gibt 16 Noubat (einschließlich 4 unvollendeten)Al-dhîl – Mjenba -
Al-hussayn - Raml Al-mâya - Ramal - Ghrîb - Zîdân - Rasd - Mazmûm - Sîkâ - Rasd Al-Dhîl – Mâya (Ghribet Hassine – Araq – Djarka – Mûal).
Poetische Formen, die noch vorhanden sind: Muwashshah - Zadjal - Msaddar- Shugl (beliebtes Sung Gedicht) - Barwal (in Constantine) - Melhoun- El Wahrani (Malhun-Variante)

Libysche Schule
die Noubat bestehen aus acht Teilen: zwei Msaddar / zwei Murakaz / zwei Barwal / Khafif / Khatm. Sie bestehen aus einem gleichen Tempo, dessen Name abhängig von der musikalischen Bewegungsgeschwindigkeit abweicht.

Marokkanischen Schule
die marokkanischen Nuba sind eine Sammlung von Liedern bestehend aus 26 diatonisch verschieden Modi, die 4 wichtigsten (Maya-Al Dhil / Mazmum / Zidan). es sind nur noch 11 Noubat: Raml al-mâya - Isbahân - Al-mâya - Rasd al-dhîl - Al-istihlâl - Rasd - Gharîbat al-husayn - Al-hijâz al-kabîr - Al-hijâz al-mashriqî - ‘Irâq ‘ajam - ‘Ushshâq. Die poetischen Formen sind die Muwashshah - Zajal - Shugl -Barwal.

Tunesische Schule
kompiliert im 18. Jahrhundert von Rachid Bey, wurde eingemeindet im 20. Jahrhundert durch das Rachidia. Die Modi basieren auf einigen osmanischen Mikro-Intervallen. 13 Noubat: Dhîl - ‘Irâq - Sîkâ - Hsîn - Rast - Raml al-mâya - Nawâ - Asba‘ayn - Rast al-dhîl - Ramal - Isbahân - Mazmûm - Mâya. Poetische Formen: Nashîd - Istihlâl - ‘Amal - Muharrak - Muwashshah - Zajal - Barwal – Shugl.

Musikinstrumente
die Instrumente, die in einem typischen arabisch-andalusischen Musikensemble (Takht) verwendet werden:

Die Riqq oder Tar: arabisches Tamburin, der Meister von allem ist, weil es den grundlegenden Rhythmus angibt.
Der Naqarat gibt: kleine Pauken mit Stöcken.
Der Darbuka: Trommel im Kelch, Olivenholz oder Keramik, mit Ziegen- oder Fischhaut bedeckt.
Der Oud Arbi und der Kouitra: der Ahnherr der Laute.
Der Rabab oder Rebec: Arabische Geige, manchmal ersetzt durch die heutige Geige.
Die Nay: Flöte mit einer freien Mündung und sechs oder sieben Löchern.
Der Qanun oder Kanoun: Vielsaitige Zither.

Andalusische Ouds

Kuitra

Der Name In deutscher Sprache ist der Kuitra bekannt unter dem Namen ‚Qitara‘ oder ‚Kwetra‘. Im Grove Wörterbuch findet man verschiedene englische Schreibweisen: Quwaytara, Kuwaitara, Kūwaytara, Kuwīthra, Kuwitra, Kwītra.

Notiz aus dem Buch „Sammlung alter Musikinstrumente der Musikhochschule Berlin, 1922“ 2412. QITARA: Kurzhalslaute mit Querriegel und pickelhaubenförmigen Flanckenwirbel; neun Späne aus Rotbuche mit Fischbeinadern; in der aufgepflasterten Zedernholzdecke eine große Rose von der Form des Spielkartenzeichen Pique; der Tannenhals bundlos und der Wirbelkasten stumpfwinklig abgeknickt; die Wirbel selbst haben Pickelhaubenform. Rohe Arbeit. H(85) 45, B30,5, T15cm (Arabisches N.W Afrika).

Meine Rescherche über den Kuitra ergab, dass er vor dem 18. Jahrhundert in drei Größen existierte: Die Octave mit einer Deckenlänge zwischen 20,3 cm und 21, 2cm , die Septime mit einer Deckenlänge zwischen 27,5 cm und 32cm und die Sexte: 36,6 cm und 43cm.

Rosette
Die Rosette wurde von Rouanet als maurische Zeichnung beschrieben, die fast immer eine Blumenvase oder auch den Baum des Lebens darstelle. Man könnte fragen, ob sie eine symbolische Beziehung zu der Struktur arabisch modaler Skalen hat im Zusammenhang mit den vier Temperamenten (s. Abb. unten rechts: musikalische Epistel, Nationalbibliothek von Tunis). Diese Art der Zeichnung findet man auch in den "Istitutioni Harmoniche de Zarlino", die im Jahre 1558 in Venedig publiziert wurden, um die Beziehungen zwischen den Maqamat zu beschreiben.
linkes Bild: Skizzen, G. Zarlino, Le Istitutioni Harmoniche Appresso Francesco Senese, 1562, s. 11, Bibliothek der Universität Straßburg
rechtes Bild: Diagramm. Verbindungen zwischen verschiedenen arabischen musikalischen Bereichen und den vier Temperamenten, erschien in dem Musik-Manuskript der Nationalbibliothek Tunesiens.


Die Stege gibt es in drei Arten: als Hörner, in Form einer Schlange oder als Schnurrbart (Jules Rouanet).

Stimmung des Kuitra
Der Kuitra hat acht Saiten (4 Chöre und Unisono), die mit einem Plektrum (hergestellt aus einer Adlerfeder) gezupft werden, das mit der rechten Hand zwischen Daumen und Zeigefinger gehalten wird. Nur drei Finger der linken Hand werden verwendet, um die Töne am Grifbrett ohne Bünde zu drücken, d. h., die Reihenfolge der Saiten folgt nicht der aufsteigenden Reihenfolge der Noten: aufeinander folgende Intervalle sind steigende Sexten (IV: Sol - III: mi), eine absteigende Quinte und schließlich eine aufsteigende Quarte:
(II: la - I: re) starten einen Ton höher.